Es regnet endlich mal wieder in diesem trockenen und heißen Land. Zufrieden stehe ich in meiner Zimmertür und spüre die Tropfen auf meinem Gesicht. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Der Regen: ein Segen für dieses Land, seine Felder, seine Bewohner und ein ganz persönlicher Segen für mich. Leider ist der Regen auch ein Segen für meine Schüler. Seit neuestem hat nämlich der liebe Regenbuddha beschlossen seine Schleusen um die Mittagszeit zu öffnen. Genau dann, wenn sich unsere Kinder auf den Weg zur Schule machen. Nur herrscht das ungeschriebene Gesetz hier in Kambodscha, dass bei Regen niemand irgendwo hin geht. Jeder bleibt schön da wo er ist – so auch unsere Kinder. Der Regen dauert auch seit neustem nicht mehr nur ein paar Minuten an, sondern es regnet sich für mehre Stunden so richtig schön ein.

Und deswegen sitze ich allein in meinem Klassenzimmer und warte Stunde um Stunden auf meine Kinder…doch keiner kommt. Meinen Kollegen geht es nicht besser. Ziemlich einsam und verlassen sehen wir in unseren Klassenräumen aus, mitleiderregend sogar. Pünktlich, wie die deutsche Bahn hört der Regen zu Unterrichtsende auf und ich verfluche den dicken kleinen Mann da oben im Himmel. In den letzten paar Stunden ist der Regen zu einem Fluch für mich geworden. So viele Projekte, Arbeiten, Grammatiken und Aufgaben umsonst vorbereitet. Als ich aus dem Klassenzimmer heraus trete empfängt mich eine herrlich kalte Brise und ich schwanke zwischen Fluch und Segen.