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Henriette in Kambodscha

Mein Jahr im Ausland

Servus, bye bye, Lia hai

Nun ist es soweit: mein Leben in Kambodscha ist vorbei und somit geht auch dieser Blog zu Ende. Ich habe hier in Deutschland ein neues Leben angefangen, einen neuen Freiwilligendienst begonnen, neue und alte Freunde gefunden, einen wunderbaren Alltag mit meiner Familie, feste Rituale und Gewohnheiten, der Winter naht und somit der Schnee. Ich freue mich auf diese Jahreszeit und wünsche allen meinen Lesern an dieser Stelle

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Doch auch wenn dieser Blog und mein Abenteuerleben in Asien nun vorbei sind bleibt eins: all die Erinnerung, Erlebnisse und Fotos, die ich auch mit euch geteilt habe. Erinnerungsstücke, die einen festen Platz in meinem Zimmer erhalten haben. Greta und ich erinnern uns immer wieder an unser gemeinsames Jahr, damit alle die kleinen Geschichten und Erinnerungsfetzen nicht in Vergessenheit geraten. Diese Dinge werden bleiben und mich auf meinem weiteren Weg begleiten. An manchen Tagen zaubern sie mir ein Lächeln ins Gesicht, an anderen Tagen läuft mir bei ihren Anblick eine Träne aus dem Augenwinkel.

So oder so ist dieser letzte Eintrag auch ein Abschluss für euch, liebe Leser, denn auch für euch geht eine Reise zu Ende. Danke noch mal, dass ihr an meiner Reise teil hattet, Vielleicht wagt ihr euch eines Tages selbst auf so eine Reise und ich kann dann an euren Abenteuern teil haben. Bis dahin Servus, bye bye und Lia hai.

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Einbürgerungsprozess – Phase IV

Während ich diesen Blog schreibe, die letzten Überbleibsel aus meinem Rucksack aufräume und Fotos sortiere wird mir zum allerersten mal bewusst, dass mein Leben jetzt jemand anderes lebt, dass mein Beruf nicht mehr mein Beruf ist, meine Klassen nicht mehr meine Klassen und auch meine kleine Wohngemeinschaft mit Greta nicht mehr existiert. Meine Schüler werden neue Vorbilder und Helfer finden, meine Freunde neue Freunde und ich werde immer mehr vergessen werden. Es gibt kein zurück mehr nach Kambodscha, hin zu diesem Leben und meinem Beruf…denn all diese Dinge existieren nicht mehr. Es tut weh, ein Schmerz durchzuckt mich und eine Welle der Traurigkeit überrollt mich. Doch das ist kein Heimweh mehr das ich habe und auch kein Fernweh, es ist Nostalgie und diese Nostalgie bedeutet für mich abschließen mit diesem Leben. Es wird Zeit in meinem neuen Leben anzukommen.

Einbürgerungsprozess – Phase VIII

Jetzt ist es bereits November, die Tage sind kurz, es ist bitterkalt, grau und düster und noch immer fühle ich mich fremd und verloren in meinem eigenen Leben. Noch immer irre ich suchend durch das Haus, finde in der U-Bahn nicht den richtigen Aufgang, weiß nicht wann und wo welcher Bus fährt, wo das Müsli im Supermarkt ist. Neulich erst habe ich ganz verzweifelt unsere Pfannen in der Küche gesucht. Noch immer vergesse ich wie kalt es draußen ist und gehe immer ohne Regenschirm aus dem Haus, ich finde unseren Gartenhausschlüssel nicht, verlaufe mich in der Innenstadt, immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mich auf kambodschanisch bedanke oder mit “Tscha” (ja) antworte, beim Kopfrechnen vermischen sich die Zahlen auf deutsch, englisch und kambodschanisch. Ab und zu vergesse ich bei Telefonaten, dass alle um mich herum mithören und wirklich ständig vergesse ich das anschnallen im Auto…so sehr ich es auch jeden Tag versuche, selbst nach all diesen Monaten stehe ich noch völlig zwischen den beiden Ländern. Kann mich nicht entscheiden zu welchem ich dazu gehöre. Jeden Tag vermisse ich Kambodscha ein bisschen mehr und gewöhne mich doch an mein Leben hier und lebe es gerne. Ich habe noch nicht gelernt mit dem Gefühl der Gerissenheit zu leben, mich mit dem ständigen sehnen und wohlfühlen abzufinden. Bei jeder Entscheidung denke ich kambodschanisch und deutsch, bei jeder Angelegenheit muss ich mich entscheiden, ob ich deutsch oder kambodschanisch handle. Jeden Tag bemühe ich mich aufs neue und jeden Tag gehe ich mit dem Gedanken ins Bett, dass ich wieder einen Tag geschafft habe.

News aus Deutschland

Neben all den Dingen, die sich für mich in Kambodscha geändert haben, haben sich vor allem meine Werte grundsätzlich verändert. Werte, die vor diesen Jahr gänzlich unwichtig für mich waren. Vielleicht stolpert ja der ein oder andere über eine meiner Wertvorstellungen, die ihn zum nachdenken oder umdenken bewegt.

Großzügigkeit, Dankbarkeit für mein privilegiertes Leben, Verständnis, Umweltbewusstsein, die Wichtigkeit einer jungen Generation, Gelassenheit, Spontanität, soziales Verhalten vor allem seinen Mitmenschen gegenüber, sich schätzen zu lernen, Wertschätzung gegenüber unverzichtbaren Berufen in unserer Gesellschaft (Müllabfuhr, Bäcker, Krankenschwestern und all die anderen Menschen, die im verborgenen daran arbeiten unser Leben besser zu machen), Offenheit, interkulturelles Denken, Gemeinschaftssinn, Dankbarkeit für Familie, soziales Engagement und den Wunsch dieser Welt und den weniger privilegierten Bewohnern etwas zurückzugeben.

Einbürgerungsprozess – Phase VII

Nur kurz vor der Tür gewesen. So fühlt es sich an das Zusammenleben mit meiner Familie, das Abendessen mit Oma und die Treffen mit meinen Freunden. Wenigstens das hat sich nach einem Jahr nicht verändert. Bei diesen Menschen ist es so als wäre ich nie weg gewesen, so als wäre ich nur für ein paar Minuten vor die Tür gegangen, um frische Luft zu schnappen. In diesen Momenten, beim gemeinsamen Familienabendessen, bei Telefonaten, Frühstück mit den Freunden, feiern und quatschen fühle ich mich angekommen, glücklich und habe das Gefühl auch hier noch zu Hause zu sein.

News aus Deutschland

Die liebe Gwen hat einen wunderbaren Artikel mit dem Namen Herzensorte geschrieben und ich kann mich ihrer Meinung nur anschließen.

Einbürgerungsprozess – Phase VI

Vom ersten Tag an stand ich hier unter einem regelrechten Schock – dem Konsumschock.

In der Einkaufsstraße, im Drogeriemarkt, in Supermärkten überall gibt es so viel von allem…zu viel meiner Meinung nach. Niemand braucht 8 unterschiedliche Sorten Haferflocken und 10 unterschiedliche Shampoos für blondes Haar. Ich kann es einfach nicht begreifen, wie viel Auswahl ich hier habe und das mir das vorher noch nie aufgefallen ist. Am meisten jedoch schockt mich immer wieder aufs neue das Konsumverhalten meiner Mitmenschen. Tütenweise Einkäufe werden nach Hause geschleppt, das meiste davon landet in den hintersten Ecken der Kleiderschränke oder nicht gegessen im Mülleimer. Stundenlang wird geduscht und abends das gesamte Haus hell erleuchtet. Radio und Fernseher laufen während drei Computer noch an sind. Bei dem Anblick tut mir heute immer noch das Herz weh, wenn ich sehe wie gedankenlos die Menschen hier mit wertvollen Lebensmitteln, Nahrung, Strom und Wasser umgehen, während die Menschen in meiner anderen Heimat von all dem zu wenig haben.

Einbürgerungsprozess – Phase V

Ziemlich jeder meiner Sätze beginnt mit: “ Also in Kambodscha…” und wenn er nicht so beginnt so tauscht das Wort Kambodscha garantiert irgendwo in meinem Satz auf. Doch so langsam scheint sich niemand mehr für Kambodscha zu interessieren. Nun bin ich schon 3 Monate hier, also alles Schnee von gestern. Bei den vielen genervten und manchmal auch mitleidigen Blicken meiner Mitmenschen traue ich mich manchmal gar nichts zu sagen und halte lieber den Mund, manchmal ignoriere ich auch einfach die Blicke und erzähle weiter. Jeder erzählt von seinem Leben und was ihn interessiert, aber das, Kambodscha war mein Leben, ist es noch. Wieso wollen alle nur eine kurze Geschichte und ein paar Bilder über Kambodscha und dann nie wieder etwas davon hören ?

News aus Deutschland

Hilfe von einem Rentner erhalten. Stand völlig verzweifelt vor dem Fahrkartenautomaten und wusste nicht wie ich eine Streifenkarte bekomme…der Automat hatte einfach zu viele Möglichkeiten.

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